Main Content
Lyrics
Wir spielen Demokratie (Hajo Freese) |
Wir spielen Demokratie...

(2. erweiterte Fassungslosigkeit)
Despoten wurden abgeschafft,
Gefolgsleut’ sind dahingerafft
und wir sind frei als wie noch nie.
Wir spielen jetzt Demokratie.
Wir wählen nun die Volksvertreter,
wer nicht mitwählt ist Verräter.
Der Hahn vom Mist kräht: Kikeriki,
wir spielen jetzt Demokratie.
Gesetze sind nun aufgeschrieben:
wen wir hassen, wen wir lieben.
So frei geliebt ha’m wir noch nie.
Wir spielen jetzt Demokratie.
Ein Kodex gar wird nun verfasst,
doch: Einzelne sind gut verglast!
Kritik verpönt an Andren? - Nie!
Wir üben jetzt Demokratie
Wir charmieren, animieren
intrigieren, spionieren,
reden Sachen,
schreiben Sachen,
die anderen keine Freude machen,
wir loben links
und schmähen rechts
unabhängig des Geschlechts,
versprechen viel und halten nichts
und manchem, ja, ja, dem gebricht’s
am guten Stil, am rechten Sinn.
Die meisten hören gar nicht hin.
Sie sind zu dumm und doch zu dreist,
im Lesen ungeübt auch meist
und wollen doch „mitschnabeln“.
Sie löffeln Suppe mit den Gabeln!
Sie denken nur Unwichtiges,
gänzlich Blödes, Nichtiges,
sie reden Müll, verstehen nie:
wir spielen jetzt Demokratie.
Es wird diskreditiert,
disqualifiziert,
ganz ungeniert
wird infiltriert:
das Bilden einer Lobby
ist nun aller Hobby.
Da wird interpretiert,
da wird auch zensuriert
und uns wird suggeriert,
es sei zum Besten aller.
Das ist der größte Knaller!....
Die Suppe!! - ich muss mal Pipi!
Spielt derweil schön Demokratie!
Doch auf dem Lokus sitzend,
den Kopf in meine Hände stützend,
spür’ ich Unbehagen,
Übelkeit im Magen:
Ist das alles demokratisch
oder eher symptomatisch?
Brauchen wir nicht Vordenker?
Brauchen wir nicht Richtungslenker?
Brauchen wir nicht Vorschreiber?
Brauchen wir nicht Vorantreiber?
Braucht’s nicht die Davongejagten,
die uns früher so sehr plagten?
Mit Ellenbogen auf dem Knie
gibt es nie Demokratie!
Hauen, stechen oder knuffen,
andren in die Rippen puffen,
verleumden, lügen, denunzieren
und... harmlos durch den Park spazieren,
so als würde gar nichts sein
außer eitel Sonnenschein.
Stehlen, stänkern und verdrängen,
andere in Jacken zwängen
gewaltsam und faschistoid.
Das nenn’ ich „demokratisch Lied.“
Deine Freiheit??
Meine Freiheit
ist die Freiheit zur Gemeinheit!
Für die anderen ist der Zorn
Wichtig ist, Ich bin ganz vorn.
Mein ist der Ruhm, mein ist der Nutz,
Bestechung leg’ ich unter Putz
und wer mir da dazwischen kommt
wird weggesperrt, wird weggebombt!
Wer’s noch nicht merkt: Ich herrsch’ alleine!
Wer das nicht will, dem mach ich Beine!
Ach! bei all den Übeln
hilft ja wohl kein Grübeln.
Wisch Dir ab den Hintern,
- lerne überwintern -
spüle danach gründlich
-sei nicht so empfindlich –
Schließ den Deckel, wasch die Hände
- jede Knechtschaft geht zu Ende -
und wasch sie, bitte, säuberlich
bis sie wieder unschuldig.
Beim Waschen kommt mir ein Gedanke
fast mit Gewalt – so dass ich wanke,
erscheint mir jetzt ein Großes, Wahres(!),
etwas einfach völlig Klares:
Wir brauchen Vorbeter
genau wie Ziegenpeter,
wir brauchen Vorsager
genau wie Versager,
alle sind so nötig wie ein Kropf!
Wir brauchen dringend einen kühlen Kopf!
Wir brauchen „Wahr“-Sager
und auch die Nein-sager,
wir brauchen unbedingt die „Etwas-Wager“,
wir brauchen’s fetter, nicht so mager!
Wir brauchen keine New-Ager,
wir brauchen keine Man-Ager,
besonders nicht die Top-Asse
mit den Händen in der Kasse!
Dann klappt auch alles wie am Schnürchen,
geschlossen sind die Hintertürchen
zu Gewalt und Despotie
und der Hahn kräht: „Kikeriki! –
Endlich gibt’s Demokratie....“
So, wie noch nie
So, wie noch nie
© 2003/2.Fassung HF
zurück


