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Täter (Harald Welzer) |
Täter – wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden (Harald Welzer)
Dieses Buch ist fatal für alle, die glauben, dass Massenmord eine singuläre plötzliche Eruption der Gewalt ist und dass die Täter einzelne unmenschliche Ungeheuer sein müssen, die einen gravierenden pathologischen Befund aufweisen.
Dies Buch ist bedrückend für alle Leser, die zunächst davon überzeugt sind, dass sie selbst so nicht sind oder werden könnten und „so etwas“ nicht tun würden.
Dies Buch ist schwer verdaulich, besonders für solche Menschen, die sich in ihrem Handeln gern auf Befehle und vorhandene Gesetze berufen.
Welzer beschreibt in seiner plausiblen psychosozialen Analyse, wie ganz normale Menschen und harmlose Bürger zu Massenmördern werden können.
In erster Linie will Harald Welzer sich einer wissenschaftlich plausiblen Antwort nähern, die erklärt, warum u.a. der Holocaust im Nationalsozialismus möglich wurde.
Kollektive Gewalt benötigt zur Ausführung viele Täter, die einzeln betrachtet aber durchaus große individuelle Unterschiede aufweisen und einen ebenso unterschiedlichen moralischen Handlungsrahmen besitzen.
Es muss also am Ende eines gesellschaftlichen Wandels einen außerhalb des Individuums liegenden normativer Handlungsrahmen geben, der den gemeinschaftlichen Massenmord ermöglicht und dem Individuum gestattet, sich aktiv daran zu beteiligen.
Dies kann - so Welzer - stattfinden, wenn ein übergeordneter moralischer Handlungsrahmen vorgegeben wird (in Form einer prozessualen Entwicklung), in dem die Tötung legitimiert werden kann: durch radikale Ausgrenzung „Anderer“ beginnt alles.
Die Analyse von Welzer erklärt auch andere Massenmorde bzw. genozidale Prozesse wie in Ruanda, Vietnam oder Jugoslawien und lässt auch keinen Zweifel darüber, dass sich solche Vorgänge auch in hoch zivilisierten Gesellschaften durchaus wiederholen können.
Gewalt ist eben nicht nur destruktiv sondern schafft auch Ordnung. Sie ist nicht an eine besondere Herrschaftsform gebunden.
Sie findet auch nicht statt nur unter Verlust der individuellen Moral, sondern durch Verschiebung des moralischen Handlungsrahmen.
Harald Welzer:
"Täter"
Fischer 2005
ISBN: 3100894316
19,90 €
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