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Soziologie und Frieden (H. J. Krysmanski)

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VORWORT
 
Der soziale Wandel ist zum reißenden Strom geworden. Es fällt schwer daran festzuhalten, daß bestimmte Grundprobleme gesellschaftlicher Entwicklung bleiben, daß die Kontinuitäten soziologischer Theorie und Analyse überwiegen.
 
Diese Einführung in die soziologische Friedensproblematik fällt in die Zeit der Ausläufer des Golf-Kriegs von 1991, einer Zäsur in der Entfaltung von Weltinnenpolitik. Dieses Ereignis hat die Friedensbewegung, der ich mich zugehörig fühle, durch das geteilte Meer des Persischen Golfs geführt und man weiß bis heute nicht zuverlässig, ob die Wogen über ihr zusammengeschlagen sind oder nicht.
 
Die öffentliche Diskussion, die sich im Strom der Zeit zurechtzufinden sucht, hat einige soziologisch relevante Themen weiter geführt als in diesem Text. Zu diesen Themen gehören insbesondere das Verhältnis von 'One World' und 'barbarischem Nationalismus' und die sich abzeichnenden neuen Konfliktfronten einer 'Festung Europa'.
 
Auch die (welt)ökonomischen und, was 'Friedenspolitik' angeht, die sozialpsychologischen und mediensoziologischen Aspekte sind in der folgenden Darstellung zu kurz gekommen - wie überhaupt die 'inneren' und 'äußeren' Dimensionen des Weltkonfliktsystems in ihren Umrissen erst aufzuscheinen beginnen und weniger der 'Überflieger' als der genauen und ehrlichen 'Nachprüfer' bedürfen.
 
Für mich steht diese Skizze in der Kontinuität meiner 'Soziologie des Konflikts' von 1971 und meiner Strukturanalyse des bundesrepublikanischen Kapitalismus ('Gesellschaftsstruktur der Bundesrepublik') von 1982.
 
Ich widme das Buch den Soziologinnen und Soziologen, die in diesen zwanzig Jahren versucht haben, entgegen dem soziologischen 'Mainstream' die Entwicklungen in der ehemaligen DDR ernstzunehmen und als ein Moment umfassenderer Vergesellschaftungsprozesse, die nur in Jahrhunderten abzurechnen sind, zu begreifen. Daß sie nicht nur eine Phase relativer Stabilität in Europa begleiteten, sondern auch ein 'gesellschaftswissenschaftliches' Experiment honorierten, ohne dessen Bedingungen zureichend geprüft zu haben, bleibt ihr (und mein) Problem.
 
Die voraufgehende Sozialwissenschaftlergeneration, die den Nationalsozialismus unmittelbar zu verarbeiten hatte - für mich vor allem Wolfgang Abendroth und Helmut Schelsky - , hat diese Sympathien für eine DDR, die unter der Losung 'Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg' begann, sicher besser verstanden als die Jüngeren, denen heute Ostkolonisatoren auf den Medien-Märkten hastige Informationen und Deutungen aufdrängen.
 
Diesen Jüngeren also sei wenigstens gesagt, daß Soziologie und Friedensproblem seit langem eine komplizierte und innige Beziehung pflegen, an der auch die deutsch-deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte ihren Anteil hat.
 
Münster, Februar 1992
 
H.J.Krysmanski
 
 

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