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Satire
Entstehung der Tafelgärten (Hajo Freese) |
Die Entstehung der Tafelgärten
Ein 1.Vorsitzender eines Schrebergartenvereins brachte mich eigentlich auf die Idee.
Er hatte wegen einer Badewanne
mit Hund in einem „seiner“ Vereinsgärten das „mangelnde Biotop“ beanstandet und forderte den Garteninhaber Herbert auf, unverzüglich dem Bepflanzungsideal des Gartenvereins nachzukommen. Herbert, ein Freund von mir, machte zunächst eine vollständige Inventur seines Biotops: er zählte Blumen, Büsche, Bäume und selbst die Grashalme und kam in seinem eingereichten Widerspruch zu dem Ergebnis, sein Garten sei überaus üppig bepflanzt. Der nun folgende Streit nahm erwartungsgemäß glossale und mediale Ausmaße an und Herbert bat mich um Rat. In dem nachfolgenden Brief konnte ich ihm einen sehr hilfreichen Vorschlag machen.
Hallo lieber Herbert,
hatte so lange nichts von Dir gehört und nun das! Dieser "Stress" mit dem Garten! Aber wer für seinen Hund eine so große Badewanne in den Garten stellt, kann natürlich nicht genug Pflanzen nach dem entsprechenden Gesetz "beherberten". Was Wunder, dass der aufmerksame 1. Vorsitzende Dein mangelhaftes Biotop rügt? Also: Hund raus aus Badewanne, dann Badewanne raus aus Garten und rein ins Badezimmer, wo sie schließlich hingehört! und rein mit Ackerbau in den Garten.
Ich schlage mal Reisanbau vor, denn dieses Grundnahrungsmittel wird in Zukunft für "behartzte" Einwohner dieses Landes zur Existenzgrundlage werden können. Zig Millionen Chinesen können sich nicht irren. Die notwendige Bearbeitung kann durch Schaffung von "Arbeitsgelegenheiten" noch weit unter dem Lohn eines Chinesen sehr profitabel durchgeführt werden und die One-Euro-Menpower muss ran, ob sie will oder nicht. Du brauchst sie nur beim BMWA bzw. den untergeordneten Dienststellen anzufordern. Ich vermute, dass bei einer so innovativen Arbeitsplatzschaffung sogar Herr Clement selbst die Schirmherrschaft über das Projekt übernehmen wird! Und dann soll Dein „1. Furzender“ noch mal was sagen!
"Großflächiger Reisanbau in Deutschland", das wäre doch mal ne Schlagzeile.
Ich sehe das Bild schon vor mir: mit blockwartiger Miene überreicht Dir der Gartennutzungs-Ausforscher die "goldene Ehrennadel mit reisförmiger Perle" für die neuartige Gartengestaltung bei optimaler Nutzung der gesamten Fläche. Reispflanzen im Wasser (!), was für ein beruhigendes Bild für Aug' und Seel' im irritierenden Durcheinander bunt blühender Luxusgewächse! Ich komme richtig ins Schwärmen, merke ich gerade.
Du würdest ein auskömmliches Leben erreichen, für Gabi gleich mit, behartzten Arbeitslosen stünde das Wasser nur noch bis zum Knie und nicht mehr bis zum Hals. Bei dem verzweifelten Versuch für ein auskömmliches Leben würden viele zumindest eine bekömmliche Mahlzeit -täglich eine handvoll Reis - "dazuverdienen" und mit einem Gläschen schwarz gebrannten Reisweins den psychischen Druck der Zwangsarbeit wirkungsvoll herunterspülen können.
Mich wundert eigentlich, dass Du nicht selbst schon diese Idee hattest, wo Du doch auch schon auf den Hund gekommen bist... den in der Badewanne, auf dem Foto, in der Zeitung. Also, kreativ bist Du doch! Und denk mal an die vielen Maler, denen das Wasser erst bis zum Hals stehen musste, damit sie schöne Bilder malen konnten. Solange muss heute niemand mehr warten, Kreativität fängt heute viel früher an und wie Du siehst, liegen die innovativen Ideen nicht nur auf der Straße herum, nein... sie liegen auch im Schrebergarten von Herbert. Man muss nur richtig hingucken.
Liebe Grüße
Dein Zynissimus
© 2005 HF
*In Leipzig, wo Daniel Gottlob Moritz Schreber Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals die Idee von Gärten für Arbeiterfamilien propagiert hatte.
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