Mit welchen Problemen ist man konfrontiert, wenn man sich dem Thema Armut in soziologischen Kategorien nähern will?
Der Soziologe muss sich von der Art und Weise, wie man Armut üblicherweise definiert, distanzieren. Mir erscheint wichtig, sich nicht mit der in den westlichen Ländern üblichen, rein monetären Definition zufrieden zu geben. Offiziell lebt man unter der Armutsgrenze, wenn man monatlich weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. In der Realität scheint es illusorisch, das Phänomen Armut lediglich anhand dieser Einkommensschwelle erfassen zu wollen. Der Soziologe muss sich folgende Frage stellen: Was bewirkt, dass eine Person von der Gesellschaft als arm definiert wird und diese Person keine andere soziale Identität mehr besitzt, als arm zu sein? Hier beginnt die soziologische Reflexion. Die Frage ist also nicht, wie man Armut messen kann, sondern welchen Platz sie in unserer Gesellschaft einnimmt. Wie wird Armut als soziale Kategorie konstruiert? Es ist eine fast anthropologische Feststellung, dass jede Gesellschaft ihre Armen definiert.
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